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Vorbemerkung
Berufskleidung und Berufstrachten
geben Einblick in die Entwicklung eines Berufszweiges und seine Technologien.
Unsere Sammlung demonstriert fast 800 Jahre Entwicklung des Bergbaues, angefangen
von den ersten Schürfversuchen bis zum hochtechnisierten Abbausystem
des heutigen Mansfelder Bergbaues.
Die Tracht bleibt zunächst auf das Zweckmäßige ausgerichtet,
sie hatte eine Schutzfunktion und wurde nicht nur bei der Arbeit, sondern
auch auf dem Wege zwischen Arbeitsplatz und Heimstatt getragen, ja sie wurde
dann auch zur Festkleidung. Einen großen Aufwand an überflüssigen
Zierden läßt aber anfangs die Armut der Berg- und Hüttenleute
nicht zu. Etwa in der Mitte des 17.Jahrhunderts (1678 und 1688) nahmen Bergordnungen
Einfluß auf die bergmännische Kleidung. Durch Grubenkittel und
bergmännische Kleidung sollte der Bergmann "vor dem Bauernvolk"
zu erkennen sein. Durch Androhunge von Geldstrafen wurden die Knappen und
Steiger veranlaßt, den "Berg-Habit", dessen Anschaffung mit
nicht geringen Kosten verbunden war, anzulegen. Wenn die Tracht des Bergmanns
bislang kaum die soziale Stellung des Trägers demonstrierte, bildete
sich immer deutlicher eine Ausstattung der Arbeitstrachtnach Rangordnungen
heraus. Einschneidend in dieser Hinsicht ist die Verordnung von 1768, die
die Trachtenträger in 13 Klassen einteilte und alle im Mansfelder Bergbau
und in den Hütten Arbeitende erfaßte, so vom Berghauptmann bis
zum Bergamtswärter.
In der Folgezeit wirkten sich modische Trends auch auf die Gestaltung der
Berufskleidung, besonders der Paradetrachten aus. Als um die Mitte des 19.
Jahrhunderts der Bergbau im Mansfelder Land einen beachtlichen Aufschwung
nahm und sich die Lebensverhältnisse der Bergleute verbesserten, wurde
mehr Wert auf die äußerliche Gestaltung der bergmännischen
Kleidung gelegt. Eine im Jahre 1857 erlassene Vorschrift für die bergmännische
Kleidung der Berg-, Hütten- und Salinebeamte wurde 1934 durch eine neue
ersetzt, die hauptsächlich die Uniform der mittleren Beamten veränderte.
Die Tracht der Berg- und Hüttenarbeiter behielt ihre alte Form.
Zur Feier des 750 jährigen Bestehens des Mansfelder Bergbaues konnte
der erste Präsident der Deutschen Demokratischen Republik, Wilhelm Pieck,
durch die Mansfelder Bergleute in ihrer neuen bergmännischen Kleidung
begrüßt werden. Diese wurde im Jahre 1950 neu geschaffen und wird
in unserer Zeit weiterhin getragen.
Die vorliegende Zusammenstellung der uns durch das Bild überlieferten
Trachten zeigt den Wandel der Berufskleidung und der Trachten über die
Jahrhunderte hinweg. Sie gibt uns auch Einblicke in die gesellschaftlichen
Verhältnisse der jeweiligen Epochen und läßt auch die soziale
Stellung des Berg- und Hüttenmannes in seiner Zeit erkennen.
Dr. phil. Günter
Fischer
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